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| Bauernmarkt in Iznaga |
Ob es den Kubanern nun im Blut liegt oder ob das unternehmerische Geschick erst durch die strengen Regelungen der sozialistischen Marktwirtschaft, das Embargo für dringend benötigte Güter und die vielerorts bittere Armut zustande kam, kann ich nicht sagen. Sicher ist jedoch: Vom Schulkind bis zur kuchenbackenden Großmutter ist jeder Kubaner ein Einzelunternehmer…
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| Rischkafahrer in Cienfuegos |
Soeben habe ich mir auf der Straße von einer Haustür aus frisches Popcorn gekauft, in Havanna waren es Schinken-Käse-Toast, Espresso und Roscas, eine Art kubanische Donuts. Junge und nicht mehr ganz so junge Männer arbeiten hauptberuflich oder nebenbei als Taxi-, Rischka- oder Pferdekutschenfahrer, andere wiederum, verkaufen Internetwertkarten an Touristen. Zwar um den doppelten Preis, den man bei Etecsa hinlegt (1 CUC für eine Stunde), aber so mancher zahlt lieber, anstatt sich bei der glühenden Hitze in der langen Schlange vor dem Kiosk anzustellen.
Auch Free Walking Tours auf Trinkgeldbasis sind eine zusätzliche Einkunftsquelle für Lehrerinnen oder Studenten, Fremdsprachen machen sich im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt.
Eine sehr geschickte Subunternehmerin – und das völlig legal – ist Yaima, die gute Seele im Haus des singenden Italieners. Für das Saubermachen der Zimmer, das Wäschewaschen und Bügeln erhält sie von ihm ein kleines, für kubanische Verhältnisse aber durchaus akzeptables Gehalt. Das Frühstück, das Sie für die Gäste der Casa zubereitet, ist jedoch Ihr ganz eigenes Business…
Und dann gibt es natürlich jede Menge Tauschgeschäfte. Auf dem Bauernmarkt von Iznaga tauschte ich meine alten USB-Sticks gegen ein handbesticktes Tischtuch und eine Bluse ein und staunte übrigens nicht schlecht darüber, wie gut sich die Marktfrauen mit Gigabytes auskannten…
Dass findige Kubaner unerfahrene Touristen gerne zu „tollen“ Esslokalen oder Casas geleiten, um dort eine Provision zu kassieren, ist ausreichend bekannt, und über weitere, weniger legale Geschäfte möchte ich mich an dieser Stelle nicht verbreitern und nur die Warnung weitergeben, niemals auf der Straße Geld umzutauschen.
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| Verkauft sich gut: Kubanische Acrylmalerei |
Tatsache ist, dass alle, aber wirklich alle ihre kleineren oder größeren Geschäfte laufen haben – rund um die Uhr, 7 Tage die Woche, denn der CUC, etwa 25 x so viel wert wie der Peso, ist hier der Schlüssel zu vielen, sonst unerreichbaren Dingen.
Die für hiesige Verhältnisse wohlhabende Klasse sind die Besitzer der seit der neuen Regelung wie Pilze aus dem Boden schießenden Casas particulares und Hostales, denn mit ca. 20 – 30 CUC pro Zimmer und Nacht kann man schon so einiges anfangen, vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Summe in etwa einem kubanischen Mohnatslohn entspricht.


