Frau sein in Peru

„Der Mann ist das Haupt der Familie“ heißt es auch im 21. Jahrhundert noch in Peru, doch es sind die Frauen, die das Rückgrad der peruanischen Gesellschaft bilden und nur dank ihnen kann das Volk in einem Land, in dem es keinerlei soziale Absicherung gibt überleben.
Ein Nomadenleben um schlecht und recht zu überleben
Die peruanischen Frauen arbeiten schwer. Was das bedeutet, ist für uns Europäerinnen fast unvorstellbar, ohne es mit eigenen Augen gesehen und mit einigen von ihnen gesprochen zu haben.
Mit ihren Kleinkindern in bunten Tüchern am Rücken kommen diese Frauen aus ihren Dörfern in die Stadt, um hier ihre in mühevoller Heimarbeit hergestellten Handarbeiten an die Händler auf den Kunsthandwerksmärkten zu verkaufen.
Wandbild am Kunsthandwerksmarkt in Cusco
Sie sitzen stundenlang auf den Straßen, bieten Kräuter, Kartoffeln oder Gemüse aus ihren Gärten an, kochen Suppe, Eintopf oder Maiskolben, verkaufen Kaffee und Chicha morada, Eis und Churros. Und das ist nicht alles, denn außerdem hat noch jede dieser Frauen eine Strickarbeit dabei …

Wer Glück hat und einen kommunalen Job als Straßenkehrerin sein Eigen nennen darf, ist bereits privilegiert. 
Straßenhändlerin in cusco
Ich hatte das Glück, mich mit einigen peruanischen Frauen über ihre Situation unterhalten zu können, und sie alle sagten mir dasselbe: Die Armut im Land ist groß und viele Mädchen können nur die Grundschule besuchen.
Sehr frühe Schwangerschaften, oft schon mit 12 – 14 Jahren sind keine Seltenheit, denn es fehlt an Aufklärung. Die daraus resultierenden Kinder, sehr häufig unerwünscht, werden vernachlässigt oder weg gegeben. Viele Familien leben in bei uns völlig unvorstellbaren Zuständen.
Gesundheitszentrum in Callao: Bildung und Aufklärung
Wie ich selbst erleben durfte, beginnen die Peruanerinnen langsam, sich ihres eigenen Wertes in der traditionell katholisch geprägten Macho-Gesellschaft bewusst zu werden und gegen Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Ausbeutung aufzustehen.
Demonstration gegen Frauenhandel in Cusco
Erst vergangenen Samstag wurde ich in Cusco Zeugin einer Demonstration gegen Gewalt an Frauen und gestern fand am Hauptplatz eine Veranstaltung gegen Ausbeutung von Frauen und Kindern statt, im Speziellen gegen Frauenhandel, sexualisierte Gewalt an Frauen und Kindern sowie in Abhängigkeitsverhältnissen.

Dass dies der katholischen Kirche Perus nicht ins Konzept passt, ist klar und wurde mir beim sonntäglichen Hochamt in der Kathedrale von Cusco bestätigt, wo der Priester etwa eine halbe Stunde nur darüber predigte, dass der Platz der Frau in der Familie und ihre Hauptaufgabe die der Fortpflanzung sei.

Frauen in traditioneller peruanischer Tracht beim Kirchgang

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