Nachtbus Cusco – Lima

Heute steht meine letzte Busfahrt an, und diese ist zugleich die längste. 1100 km bzw. 21 Stunden von Cusco bis nach Lima, wobei der Bus der Linie Cruz del Sur die Anden überquert, um Zeit zu sparen.
Eine schwierige und zugleich gefährliche Strecke, doch ich vertraue auf die Erfahrung der beiden Lenker, die einander alle vier Stunden ablösen werden. So sieht es das Gesetz hier vor. Bei Tagfahrten sind es fünf Stunden.
Bequeme Liegesitze im Bus von Cruz del Sur
Eine so lange Busfahrt mit vielen Kurven und Serpentinen stellt jedoch auch eine große Herausforderung für mich selbst dar, und ohne die eine oder andere Pille hätte ich es nicht geschafft, denn ich leide schon seit meiner Kindheit an Übelkeit beim Auto- und Busfahren.
Das Abendessen ist im Gegensatz zu der letzten Fahrt wirklich gut: Eine kleine Pastete, Rindfleisch mit Spaghetti und als Nachspeise ein Stück Torte. Dazu trinke ich Anistee und irgendwann gegen 23 Uhr gelingt es mir einzuschlafen.
Durch das Abbremsen in den steilen Kurven und das Wackeln des Busses wache ich immer wieder auf, schlafe aber rasch wieder ein.
Hohe Felswände links und rechts der Fahrbahn
Als ich schließlich zu meiner gewohnten Zeit, gegen sechs Uhr aufwache und auf mein Handy blicke, sehe ich, dass wir uns an einem der gefährlichsten Teile der Strecke befinden: Die Straße führt nämlich durch einen engen Korridor. Links und rechts der Fahrbahn ragen Höhe Felswände empor und es besteht ein Funkloch. Weit und breit ist kein Dorf oder menschliches Leben in Sicht.
Mit dem Bus durchs Hochgebirge
Diese Situation haben sich schon mehrfach kriminelle Banden zunutze gemacht, Reisebusse durch Felsen auf der Fahrbahn zum Anhalten gezwungen und anschließend (manches Mal auch mit Hilfe eines unter die Passagiere eingeschleusten Komplizen) die Passagiere ausgeraubt. In engen Serpentinen geht es abwärts. Insgesamt gilt es, ein Gefälle von 4000 m zu überwinden, denn Lima liegt ja direkt am Meer.
Kurven über Kurven …
Gegen 8 Uhr fahren wir an einer Reihe von Minen vorbei #. Wir sind jetzt bereits viel tiefer, die Landschaft wird etwas grüner und man sieht vereinzelte Häuser. Bald danach erreichen wir Nazca, die für ihre Geo? bekannte Stadt und  auch Region.
Beim Busterminal von Nazca halten wir etwa 10 Minuten an, um Passagiere ein- und aussteigen zu lassen, anschließend gibt es Frühstück.
Frühstück im Bus 

Das Frühstück erweist sich als etwas kohlenhydratlastig (ein Brötchen mit einer Scheibe Wurst, eine Magdalena und ein Quinoa-Riegel), aber immer noch besser als heutzutage auf den meisten Flügen. 
Bei den Getränken kann man zwischen Kaffee, Wasser Coca-  Anis- und Kamillentee wählen. Der Konsum von Alkohol ist im Bus übrigens generell verboten.
Wir kommen am Museo Maria Reiche in San José vorbei. Das war die deutsche Naturwissenschafterin, die ihr gesamtes Leben der Erforschung und Erhaltung der Nazca-Linien gewidmet hat und ich hätte es mir sehr gerne angesehen. Aber dazu ist jetzt leider keine Zeit …
Vorübergehend wird die Gegend etwas grüner, doch bald ähnelt sie wieder einer Mondlandschaft, doch zum Glück haben wir das Gebirge und die vielen Kurven hinter uns gebracht, und die Straße verläuft jetzt schnurgerade
Via Libre: Quer durch die Mondlandschaft
Kurz danach erreichen wir den Bezirk Ica und um 10 h 30 die gleichnamige Großstadt. 
Diese liegt mitten in der Sandwüste und hat außer Industrie nicht allzu viel zu bieten. Hier ist es sehr heiß. Die Sonne brennt regelrecht vom Himmel und ich vermisse die klare Gebirgsluft im Urubamba-Tal.
Obsthändler am Straßenrand in Ica
Entgegen meinen Befürchtungen habe ich auch heute im Bus – zwar mit einigen Unterbrechungen – recht gut geschlafen und fühle mich fit.  An den Weingärten links und rechts der Fahrbahn merke ich, dass wir jetzt im Bezirk Pisco sind.
Wir fahren jetzt entlang der Pazifikküste und schwere dunkle Wolken am Himmel deuten auf hohe Luftfeuchtigkeit und ein mögliches Gewitter hin. Diesen Himmel kenne ich aus Lima, wo ich vor drei Wochen angekommen bin, aber auch aus Italien, wo ich als Kind immer den Sommer verbrachte, und er verheißt nichts Gutes.
Doch ich täusche mich und in Lima ist es zwar kühler als in Cusco, aber es regnet zum Glück nicht.
Der Bus kommt pünktlich beim Terminal an, alle meine Gepäckstücke sind noch vorhanden und ich muss nur noch ein Taxi zum Hotel nehmen…

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